Lautstärke auf Veranstaltungen: Grenzwerte, DIN 15905-5, Lärmschutz und Schallpegelmessung
Guter Sound gehört zu einer gelungenen Veranstaltung. Gleichzeitig ist die Lautstärke eines der Themen, das bei Konzerten, Stadtfesten, Firmenveranstaltungen, Open-Air-Events, Clubshows und Festivals besonders sorgfältig geplant werden muss.
Denn bei einer Veranstaltung geht es nicht nur darum, dass die Musik gut klingt. Es müssen gleichzeitig mehrere Interessen berücksichtigt werden:
- Das Publikum soll einen kraftvollen und ausgewogenen Sound erleben.
- Besucher müssen vor einer möglichen Gehörgefährdung geschützt werden.
- Anwohner und die Umgebung dürfen nicht unzumutbar belastet werden.
- Behördliche Auflagen und Genehmigungen müssen eingehalten werden.
- Veranstalter sollten die tatsächlich gefahrenen Schallpegel nachvollziehbar dokumentieren können.
Professionelles Lautstärkemanagement bedeutet deshalb nicht einfach, die Anlage „leiser zu drehen“. Entscheidend ist vielmehr, Schall gezielt dorthin zu bringen, wo er benötigt wird – und dort zu reduzieren, wo er Probleme verursachen kann.
Dabei spielen die Planung des Beschallungssystems, die Ausrichtung der Lautsprecher, das Verhalten tiefer Frequenzen, die örtliche Situation und eine kontinuierliche Schallpegelmessung eine zentrale Rolle.
Welche Regeln gelten für die Lautstärke bei Veranstaltungen?
Eine einzige allgemeingültige Dezibel-Grenze für alle Veranstaltungen in Deutschland gibt es nicht.
Je nach Art und Ort der Veranstaltung können unterschiedliche Regelwerke, Genehmigungsauflagen und Richtlinien relevant sein.
Für die Praxis sind insbesondere folgende Bereiche wichtig:
Schutz des Publikums
Für elektroakustische Beschallungsanlagen ist die DIN 15905-5 von besonderer Bedeutung. Sie beschreibt Verfahren zur Messung und Bewertung der Schallimmission mit dem Ziel, eine Gehörgefährdung des Publikums durch hohe Schallpegel zu vermeiden.
Die aktuell veröffentlichte Fassung ist die DIN 15905-5:2022-07. Sie gilt für die Schallimmission elektroakustischer Beschallungstechnik in den für das Publikum zugänglichen Bereichen einer Veranstaltung.
Schutz der Nachbarschaft
Hier wird die Situation komplexer.
Die häufig genannte TA Lärm dient grundsätzlich dem Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Geräuscheinwirkungen. Allerdings nimmt ihr Anwendungsbereich unter anderem bestimmte nicht genehmigungsbedürftige Freizeitanlagen ausdrücklich aus. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, dass jede Musikveranstaltung unmittelbar nach der TA Lärm beurteilt wird.
Bei Freizeitveranstaltungen spielen je nach Bundesland und Kommune beispielsweise die Freizeitlärm-Richtlinie, landesspezifische Regelungen und konkrete Auflagen der Genehmigungsbehörde eine Rolle.
Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass Freizeitlärm in Deutschland nicht einheitlich geregelt ist und empfiehlt eine Abstimmung mit den zuständigen Umwelt- beziehungsweise Genehmigungsbehörden.
Für Veranstalter bedeutet das: Die für eine konkrete Veranstaltung gültigen Grenzwerte sollten immer anhand des Veranstaltungsortes, der Gebietsart und der behördlichen Genehmigung geprüft werden.
DIN 15905-5: Schutz des Publikums vor zu hoher Lautstärke
Eine leistungsfähige Beschallungsanlage kann Schalldruckpegel erzeugen, die bei längerer Einwirkung das Gehör beeinträchtigen können.
Genau hier setzt die DIN 15905-5 an.
Sie beschreibt Verfahren zur Messung und Bewertung der Schallbelastung des Publikums und soll ermöglichen, eine drohende Überschreitung bereits während einer Veranstaltung zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.
Warum reicht eine einfache dB-Anzeige nicht aus?
Ein häufiger Irrtum lautet:
„Mein Mischpult zeigt 95 dB an – also ist alles in Ordnung.“
So einfach funktioniert eine normgerechte Schallpegelmessung nicht.
Entscheidend sind unter anderem:
- der tatsächliche Messort,
- die Position der lautesten Publikumsplätze,
- der Zeitraum, über den der Pegel gemittelt wird,
- die Frequenzbewertung,
- die verwendete Messtechnik,
- Korrekturwerte zwischen Messort und maßgeblichem Publikumsbereich,
- die korrekte Dokumentation.
Ein einzelner momentaner Messwert sagt deshalb nur sehr wenig über die tatsächliche Schallexposition der Besucher aus.
Was bedeutet LAeq?
Bei Veranstaltungen begegnet man häufig der Bezeichnung LAeq.
Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um einen energetischen Mittelungspegel über einen bestimmten Zeitraum.
Das ist wichtig, weil Musik dynamisch ist.
Ein Konzert besteht normalerweise aus:
- leiseren Passagen,
- lauten Passagen,
- Moderationen,
- Pausen,
- Applaus,
- einzelnen Pegelspitzen.
Deshalb ist nicht nur der höchste kurzzeitig auftretende Wert relevant.
Für die Beurteilung der längerfristigen Belastung wird betrachtet, welcher energetische Mittelwert über einen definierten Zeitraum entsteht.
Bei der DIN 15905-5 spielt unter anderem ein über 30 Minuten bewerteter A-bewerteter Mittelungspegel eine wichtige Rolle. In der Fachinformation zur Norm wird hierfür ein Richtwert von 99 dB(A) genannt.
Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht:
„Man darf überall einfach konstant 99 dB fahren.“
Der maßgebliche Punkt ist die tatsächliche Belastung an den relevanten Publikumsplätzen und die fachgerechte Bewertung der Messwerte.
Wo muss bei einer Veranstaltung gemessen werden?
Auch hier gibt es einen verbreiteten Irrtum:
Das Messmikrofon einfach am FOH aufzustellen, macht eine Messung noch nicht automatisch normgerecht.
Der FOH – also der Arbeitsplatz des Toningenieurs – befindet sich häufig dort, wo der Sound repräsentativ beurteilt werden kann.
Der lauteste Platz im Publikumsbereich kann sich jedoch an einer völlig anderen Position befinden.
Beispielsweise:
- direkt vor einem Main-Lautsprecher,
- vor einer Frontfill-Box,
- neben einem Delay-Lautsprecher,
- in einem bestimmten Bereich unter einem Line-Array.
Deshalb muss berücksichtigt werden, welche Pegeldifferenz zwischen dem tatsächlichen Messort und dem maßgeblichen Publikumsbereich besteht.
Bei einer sogenannten Ersatzmessortmessung wird diese Differenz vor beziehungsweise im Rahmen der Veranstaltung ermittelt und als Korrekturwert in die Bewertung einbezogen.
Die reine Aussage „Wir messen am FOH“ ist daher technisch betrachtet nicht ausreichend.
Warum kontinuierliche Pegelmessung so wichtig ist
Eine einzelne Messung beim Soundcheck liefert nur eine Momentaufnahme.
Während einer Veranstaltung können sich die Pegel erheblich verändern.
Das passiert beispielsweise durch:
- unterschiedliche Künstler,
- wechselnde DJs,
- verschiedene Programmpunkte,
- Livebands mit unterschiedlichem Bühnenpegel,
- Änderungen am Mischpult,
- Veränderungen der Systemlautstärke,
- ein zunehmend lauteres Publikum,
- Änderungen des Veranstaltungsablaufs.
Professionelles Pegelmanagement bedeutet deshalb:
messen – beobachten – bewerten – reagieren – dokumentieren.
Eine kontinuierliche Anzeige ermöglicht dem Tontechniker, frühzeitig gegenzusteuern, bevor ein relevanter Mittelungswert problematisch wird.
Lautstärke und Nachbarschaft:
Entscheiden ist nicht der Pegel an der Bühne !
Für Anwohner ist vollkommen irrelevant, wie viele Dezibel am Mischpult oder direkt vor der Bühne gemessen werden.
Entscheidend ist die Geräuschbelastung dort, wo Menschen geschützt werden sollen.
Dieser Ort wird im Immissionsschutz als Immissionsort betrachtet.
Das kann beispielsweise sein:
- ein Wohnhaus gegenüber der Veranstaltungsfläche,
- ein Schlafzimmerfenster hinter dem Veranstaltungsgelände,
- ein Hotel,
- ein Pflegeheim,
- eine andere besonders schutzbedürftige Nutzung.
Genau deshalb kann ein Konzert auf dem Veranstaltungsgelände subjektiv gar nicht extrem laut erscheinen und trotzdem in mehreren hundert Metern Entfernung Probleme verursachen.
Orientierungswerte der TA Lärm
Soweit die TA Lärm für eine konkrete Anlage beziehungsweise Situation anzuwenden ist, unterscheidet sie die Immissionsrichtwerte nach der Schutzbedürftigkeit des jeweiligen Gebietes.
Für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden nennt die TA Lärm unter anderem folgende Werte:
| Gebiet | Tag | Nacht |
|---|---|---|
| Industriegebiet | 70 dB(A) | 70 dB(A) |
| Gewerbegebiet | 65 dB(A) | 50 dB(A) |
| Urbanes Gebiet | 63 dB(A) | 45 dB(A) |
| Kern-, Dorf- und Mischgebiet | 60 dB(A) | 45 dB(A) |
| Allgemeines Wohngebiet / Kleinsiedlungsgebiet | 55 dB(A) | 40 dB(A) |
| Reines Wohngebiet | 50 dB(A) | 35 dB(A) |
| Kurgebiet / Krankenhäuser / Pflegeanstalten | 45 dB(A) | 35 dB(A) |
Die TA Lärm definiert grundsätzlich den Zeitraum 06:00 bis 22:00 Uhr als Tag und 22:00 bis 06:00 Uhr als Nacht. Für die Nacht ist bei der Bewertung die volle Nachtstunde mit dem höchsten Beurteilungspegel maßgeblich.
Wichtig: Diese Tabelle ist keine pauschale Grenzwerttabelle für jedes Konzert oder Stadtfest. Bei Freizeitveranstaltungen können andere beziehungsweise ergänzende landesspezifische Regelungen und behördliche Vorgaben gelten.
Warum Veranstaltungen nachts besonders kritisch sind
Die erlaubten beziehungsweise tolerierbaren Immissionswerte sind nachts wesentlich niedriger als tagsüber.
Genau deshalb kann eine Veranstaltung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt problemlos funktionieren und nach Beginn der Nachtzeit plötzlich kritisch werden.
Bei einem Outdoor-Event kann deshalb eine abgestufte Pegelstrategie sinnvoll sein.
Beispiel:
Nachmittag: Hintergrundmusik und Moderation
Früher Abend: Hauptprogramm
Später Abend: kontrollierte Reduzierung bestimmter Pegel beziehungsweise Frequenzbereiche
Veranstaltungsende: Musikende entsprechend der Genehmigungsauflage
Eine solche Strategie sollte nicht spontan während der Veranstaltung entstehen.
Sie sollte bereits im Veranstaltungskonzept festgelegt werden.
Warum Bass bei Veranstaltungen besonders problematisch sein kann
Tiefe Frequenzen sind häufig der schwierigste Teil des Lärmschutzes.
Bass verhält sich anders als hohe Frequenzen.
Tieffrequenter Schall:
- breitet sich über große Entfernungen aus,
- wird von Gebäuden weniger stark abgeschirmt,
- kann Bauteile und Räume anregen,
- ist auch dann noch wahrnehmbar, wenn höhere Frequenzen kaum noch hörbar sind.
Deshalb entsteht bei Anwohnern häufig die Situation:
Die Musik selbst ist kaum zu verstehen – der Bass ist trotzdem deutlich hör- oder fühlbar.
Einfach die gesamte PA leiser zu drehen ist nicht immer die intelligenteste Lösung.
Viel wirksamer kann eine geeignete Planung der Subwoofer sein.
Line Arrays sind kein automatischer Lärmschutz
Line Arrays werden bei großen Veranstaltungen häufig eingesetzt.
Sie ermöglichen eine gezieltere vertikale Abstrahlung als viele klassische Lautsprechersysteme.
Aber auch ein Line Array funktioniert nur dann gut, wenn es korrekt geplant wird.
Wichtig sind beispielsweise:
- Höhe des Arrays,
- Winkelung der einzelnen Elemente,
- vertikale Abdeckung,
- Entfernung zum Publikum,
- benötigte Reichweite,
- Position von Delay-Systemen,
- Geländeprofil,
- Gebäude und Reflexionsflächen.
Ein schlecht geplantes Line Array kann Schall unnötig über den Publikumsbereich hinweg abstrahlen.
Ein gut geplantes System konzentriert die Energie dagegen wesentlich stärker auf die tatsächlich zu beschallende Fläche.
Einfluss von Wind und Wetter bei Open-Air-Veranstaltungen
Bei Open-Air-Veranstaltungen kommt ein weiterer Faktor hinzu: die Atmosphäre.
Schall breitet sich im Freien nicht unter allen Bedingungen gleich aus.
Einfluss haben unter anderem:
- Windrichtung,
- Windgeschwindigkeit,
- Temperatur,
- Temperaturgradienten,
- Luftfeuchtigkeit,
- Entfernung.
Deshalb kann es passieren, dass bei einer Messung am Nachmittag alles unauffällig erscheint und sich die Situation am Abend verändert.
Besonders bei größeren Open-Air-Veranstaltungen sollte die Geräuschsituation deshalb während der gesamten Veranstaltung beobachtet werden.
Reflexionen durch Gebäude
Auch Gebäude können die Schallausbreitung erheblich beeinflussen.
Eine Bühne zwischen Häuserfassaden verhält sich akustisch vollkommen anders als eine Bühne auf einer freien Fläche.
Reflexionen können:
- bestimmte Bereiche lauter machen,
- Schall in unerwartete Richtungen lenken,
- die Sprachverständlichkeit verschlechtern,
- tieffrequente Probleme verstärken.
Deshalb sollte die Location möglichst schon während der technischen Planung akustisch betrachtet werden.
Was gehört in ein Lärmschutzkonzept?
Je nach Größe, Lage und behördlicher Vorgabe kann für eine Veranstaltung ein Lärmschutz- beziehungsweise Schallimmissionskonzept erforderlich oder sinnvoll sein.
Ein professionelles Konzept kann beispielsweise folgende Punkte enthalten:
1. Beschreibung der Veranstaltung
- Veranstaltungsart
- Besucherzahl
- Öffnungszeiten
- Programmzeiten
- Musikzeiten
- Auf- und Abbauzeiten
2. Beschreibung der Beschallungsanlage
- Lautsprechertypen
- Positionen
- Ausrichtung
- Subwoofer-Konzept
- Delay-Systeme
3. Betrachtung der Umgebung
- nächstgelegene Wohnbebauung
- sensible Immissionsorte
- Gebietseinstufung
- Abstände
- mögliche Reflexionsflächen
4. Pegelstrategie
- maximal vorgesehene Veranstaltungspegel
- unterschiedliche Pegel für Programmphasen
- Maßnahmen für Abend und Nacht
5. Messtechnik
- Messpositionen
- verwendete Messgeräte
- Korrekturwerte
- kontinuierliche Überwachung
- Dokumentation
6. Verantwortlichkeiten
Es sollte eindeutig festgelegt sein:
- Wer überwacht die Schallpegel?
- Wer darf den Systempegel verändern?
- Wer reagiert auf Beschwerden?
- Wer entscheidet über notwendige Pegelreduzierungen?
Genehmigungsbehörden frühzeitig einbeziehen
Einer der häufigsten Fehler bei Veranstaltungen ist, Lärmschutz erst wenige Tage vor dem Event zu berücksichtigen.
Zu diesem Zeitpunkt können grundlegende Änderungen bereits schwierig oder teuer werden.
Besser ist es, die zuständige Behörde frühzeitig einzubeziehen.
Je nach Veranstaltung können beispielsweise relevant sein:
- Ordnungsamt,
- Umweltamt,
- Untere Immissionsschutzbehörde
- Bauordnungsamt,
- Straßenverkehrsbehörde,
- Feuerwehr,
- weitere kommunale Stellen.
Von der Behörde können unter anderem Vorgaben gemacht werden zu:
- Veranstaltungszeiten,
- Musikzeiten,
- maximalen Pegeln,
- Messpunkten,
- Messverfahren,
- Dokumentation,
- Ansprechpartnern,
- Beschwerdemanagement.
Eine rechtzeitige Abstimmung schafft Planungssicherheit.
Schallpegelmessung bereits beim Soundcheck
Eine professionelle Pegelstrategie beginnt nicht erst mit dem ersten Besucher.
Der Soundcheck ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung.
Dabei können beispielsweise überprüft werden:
- Systempegel,
- Pegelverteilung im Zuschauerbereich,
- besonders laute Publikumspositionen,
- Bassabstrahlung,
- Messpositionen,
- Pegeldifferenzen zwischen Messort und Publikumsbereich.
Probleme lassen sich dann noch lösen, bevor die Veranstaltung beginnt.
Bühnenlautstärke nicht unterschätzen
Bei Livebands stammt nicht der gesamte Schall aus der PA.
Auch auf der Bühne entstehen teilweise erhebliche Pegel durch:
- Gitarrenverstärker,
- Bassverstärker,
- akustisches Schlagzeug,
- Monitorlautsprecher,
- Blasinstrumente.
Ein hoher Bühnenpegel erschwert die Arbeit des Tontechnikers.
Denn der Front-of-House-Mix muss sich gegen den bereits vorhandenen Bühnenschall durchsetzen.
Mögliche Maßnahmen sind:
- In-Ear-Monitoring,
- angepasste Gitarrenverstärker,
- kontrollierte Amp-Positionierung,
- Drum-Shields,
- sinnvoll dimensionierte Monitorlautsprecher,
- frühzeitige Abstimmung mit Künstlern.
Je geringer der unnötige Bühnenpegel, desto kontrollierter kann das gesamte Beschallungssystem betrieben werden
Eine gute Veranstaltung muss nicht extrem laut sein
Hohe Lautstärke wird häufig mit gutem Sound verwechselt.
Dabei entsteht ein beeindruckender Sound viel stärker durch:
- ausgewogene Frequenzverteilung,
- ausreichenden Headroom,
- geringe Verzerrungen,
- korrekte Lautsprecherpositionierung,
- gleichmäßige Beschallung,
- kontrollierten Bass,
- gute Systemabstimmung.
Eine schlecht abgestimmte Anlage klingt bei 100 dB nicht automatisch besser als eine gut geplante Anlage bei geringerem Pegel.
Im Gegenteil:
Ein kontrolliertes System wirkt häufig druckvoller, klarer und angenehmer.
Typische Fehler bei der Lautstärkeplanung
Fehler 1: „Wir messen einfach mit einer Handy-App“
Smartphone-Apps können einen groben Eindruck vermitteln.
Für eine professionelle oder normorientierte Dokumentation sind sie jedoch kein Ersatz für geeignete Schallpegelmesstechnik.
Fehler 2: Nur beim Soundcheck messen
Der Pegel kann sich während der Veranstaltung verändern.
Deshalb sollte bei relevanten Veranstaltungen kontinuierlich überwacht werden.
Fehler 3: Nur den FOH-Pegel betrachten
Der FOH ist nicht automatisch der lauteste Publikumsplatz.
Fehler 4: Bass unterschätzen
Tiefe Frequenzen können noch in großer Entfernung störend wirken.
Fehler 5: Lautsprecher einfach von Wohnhäusern wegdrehen
Die Ausrichtung ist wichtig – muss aber Bestandteil eines Gesamtkonzeptes sein.
Fehler 6: Erst nach Beschwerden reagieren
Wenn Polizei, Ordnungsamt oder Anwohner bereits vor Ort stehen, ist es eigentlich zu spät.
Professioneller Lärmschutz beginnt vor der Veranstaltung.
Fehler 7: Niemand ist verantwortlich
Es sollte eine klar benannte Person geben, die Pegel überwacht und im Bedarfsfall Entscheidungen treffen kann.
Praxis-Checkliste für Veranstalter
Vor der Veranstaltung sollte mindestens geklärt werden:
- Wo befindet sich die nächste Wohnbebauung?
- Welche behördlichen Vorgaben gelten?
- Welche Veranstaltungs- und Musikzeiten sind genehmigt?
- Gibt es definierte Immissionsorte?
- Gibt es maximale Pegelvorgaben?
- Wie wird die PA ausgerichtet?
- Wie wird der Bass kontrolliert?
- Wo wird gemessen?
- Welche Messtechnik wird eingesetzt?
- Wer überwacht die Pegel?
- Wer dokumentiert die Messwerte?
- Wer ist Ansprechpartner für die Behörde?
- Wer reagiert auf Beschwerden?
- Welche Maßnahmen sind vorgesehen, wenn Pegel reduziert werden müssen?
Was passiert bei einer Lärmbeschwerde?
Eine professionelle Veranstaltung sollte hierfür einen klaren Ablauf besitzen.
Statt hektisch die gesamte PA herunterzuregeln, sollte zunächst geprüft werden:
- Woher kommt die Beschwerde?
- Welche Geräuschquelle ist tatsächlich verantwortlich?
- Welche Messwerte liegen vor?
- Betrifft das Problem bestimmte Frequenzbereiche?
- Kann die Abstrahlung technisch verändert werden?
- Muss der Gesamtpegel reduziert werden?
Gerade bei Bassproblemen kann eine pauschale Reduzierung des gesamten Systems unnötig sein.
Durch technische Analyse lässt sich häufig gezielter reagieren.
Dokumentation schützt Veranstalter und Betreiber
Eine sorgfältige Messdokumentation erfüllt nicht nur einen technischen Zweck.
Sie ermöglicht später nachvollziehbar darzustellen:
- wann gemessen wurde,
- wo gemessen wurde,
- welche Pegel aufgetreten sind,
- welche Korrekturen berücksichtigt wurden,
- ob und wann eingegriffen wurde.
Ohne Dokumentation bleiben im Streitfall häufig nur subjektive Aussagen.
„Es war sehr laut“ und „Es war überhaupt nicht laut“ sind technisch wertlos.
Messdaten schaffen dagegen eine objektivere Grundlage.
Unterschied zwischen Publikumsschutz und Anwohnerschutz
Publikumsschutz
Hier geht es um die Schallbelastung der Menschen innerhalb der Veranstaltung.
Ein wichtiges Regelwerk ist die DIN 15905-5.
Anwohnerschutz
Hier geht es um die Schallimmission außerhalb des Veranstaltungsgeländes.
Relevant können je nach Veranstaltung unter anderem sein:
- behördliche Genehmigungsauflagen,
- landesspezifische Freizeitlärmregelungen,
- die Freizeitlärm-Richtlinie,
- in bestimmten Fällen die TA Lärm.
Ein Veranstalter muss deshalb im Zweifel beide Bereiche gleichzeitig betrachten.
Eine Veranstaltung kann beim Publikum völlig unproblematisch sein und trotzdem bei einem Nachbarn einen zulässigen Immissionswert überschreiten.
Umgekehrt bedeutet ein unauffälliger Pegel beim Nachbarn nicht automatisch, dass die Belastung direkt vor der Beschallungsanlage für das Publikum unkritisch ist.
Professionelle Schallpegelmessung bei Veranstaltungen
Eine fachgerecht geplante Veranstaltung verbindet guten Sound mit kontrollierter Lautstärke.
Eventwerk unterstützt Veranstalter bei der technischen Planung und Umsetzung von Veranstaltungen – von der Beschallung bis zur Schallpegelüberwachung.
Je nach Veranstaltung können wir unter anderem unterstützen bei:
- Planung der Beschallungsanlage,
- Ausrichtung der Lautsprechersysteme,
- Subwoofer-Konzepten,
- Schallpegelmessung,
- kontinuierlicher Pegelüberwachung,
- Dokumentation,
- technischer Abstimmung von Veranstaltungsauflagen,
- Veranstaltungstechnik und technischer Gesamtplanung.
Gerade bei Open-Air-Veranstaltungen, Stadtfesten, Konzerten und Veranstaltungen in der Nähe von Wohnbebauung lohnt es sich, das Thema Schall bereits früh in die Planung einzubeziehen.
Fazit: Guter Sound und Lärmschutz sind kein Widerspruch
Professioneller Veranstaltungston bedeutet nicht, möglichst laut zu sein.
Die eigentliche Aufgabe besteht darin, den benötigten Schalldruck möglichst gleichmäßig und kontrolliert auf die vorgesehenen Publikumsflächen zu bringen.
Dafür müssen mehrere Bereiche zusammenspielen:
- professionelle Beschallungsplanung,
- korrekt ausgerichtete Lautsprecher,
- kontrollierte Subwoofer,
- geeignete Schallpegelmessung,
- laufende Pegelüberwachung,
- Dokumentation,
- Kenntnis der behördlichen Vorgaben,
- frühzeitige Kommunikation mit Behörden und Veranstaltern.
Wer diese Punkte bereits in der Planungsphase berücksichtigt, reduziert das Risiko von Beschwerden und kurzfristigen Pegelreduzierungen erheblich – und schafft gleichzeitig bessere Voraussetzungen für einen kraftvollen, ausgewogenen und professionellen Sound.
Du planst eine Veranstaltung und möchtest wissen, welche Beschallung, Pegelüberwachung oder Schallpegelmessung dafür sinnvoll ist?
Event Werk unterstützt dich bei der technischen Planung und Umsetzung – vom kleinen Firmenevent bis zur komplexen Veranstaltungsproduktion.
Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.